Ursprung und Geschichte des
SHAOLIN KARATE Do

Der Begründer

Willy Horstmann

Die entstehungsgeschichte

Im Folgenden wird ein Text zitiert, den Willy Horstmann selbst verfasst hat und seine Begründung und Gedanken zur Entwicklung der Stilrichtung darlegt: 

„In den Jahren 1988 bis 1995 entwickelte W. Horstmann mit seinen Lehrern ein verändertes, an die modernen Bedürfnisse angepasstes Übungs- und Lehrsystem, das sich mittlerweile unter dem Namen Shaolin-Karate durchgesetzt hat.

Die Beweggründe dafür waren folgende:
Die antiken Trainingsmethoden sind für „europäische Anfänger“, die in der Regel weniger als 3 Stunden täglich trainieren, schwierig zu erlernen. Besonders bei Anfängern macht sich eine ungeschickte Einführung in das Training sehr negativ bemerkbar. Einmal antrainierte Bewegungsmacken sind mit „Shaolinmitteln“ kaum zu korrigieren und werden endlos verschleppt. Die Lehrmethodik des Karate, in der richtigen Weise mit Shaolintechniken kombiniert, behebt auf sehr effektive Art diese Schwierigkeiten und spart überdies eine Menge Zeit.

Der Weg zu dieser Erkenntnis verlief in der nachfolgend beschriebenen Weise:
Ende der Achtzigerjahre stellte sich ein nicht zu übersehender Mangel in der Unterweisung des Chan-Shaolin-Si heraus, welcher vor allem die 2. und 3. Generation der Schüler betraf, also die von Horstmann nicht persönlich unterrichteten Gruppen. Während die von Horstmann unterrichteten Lehrer ausnahmslos ein beeindruckendes Können zeigten, sank das Niveau in den Gruppen dieser Lehrer auf ein nicht akzeptables Maß ab.

Horstmann führte dies vor allem auf zwei Ursachen zurück:

  1. Shaolin-Si ist zu anspruchsvoll, um es als „Breitensport“ zu unterrichten. Um dieses System zu „besitzen“, sind tägliches, mehrstündiges Training über 10 bis 15 Jahre erforderlich. Außerdem ist die gesamte Lebenshaltung darauf einzustellen.

  2. Shaolin-Si ist ein „altes“, ein archaisches System. Nur wenige moderne Menschen, insbesondere Europäer, haben ein Bewegungsgefühl und ein Verständnis, das es erlaubt, die Bewegungen in der richtigen Weise auszuführen. Damit ist vor allem gemeint, dass die Bewegung an der richtigen Stelle (Hara, Mitte) festgemacht ist. Menschen, die keine gründliche Zen-Ausbildung genossen haben, neigen sehr stark dazu, ihre Vorstellungen und Projektionen in die Bewegung einzubringen, was dazu führt, dass die Bewegung verzerrt, verspannt oder in irgendeiner anderen Art verhunzt wird, bis sie zu reinem „Gehabe“ verkommt. Diese Art, Techniken auszuführen, ist in der Budowelt übrigens weit verbreitet.

An dieser Stelle wurde Horstmann klar, dass er das alte Shaolin-System „modernisieren“, das bedeutet, den neuen veränderten Verhältnissen anpassen musste, um es schließlich in alter, unverwässerter Weise zu erhalten. Etwa zu diesem Zeitpunkt traf er wieder mit seinem Lehrer zusammen, wodurch er viele Dinge der Gründerzeit noch einmal neu und in anderen Zusammenhängen begreifen lernte. Er verstand nun aus eigener Erfahrung, was sich in den Jahrhunderten abgespielt haben musste, die vom Shaolin-Klostersystem zum Karate-Do der Sechzigerjahre führten. Es ist allgemein bekannt, dass Karate sich aus Shaolinformen der harten Schule entwickelt hat. Unter dem Einfluss des japanischen Zen und der vom chinesischen völlig unterschiedlichen japanischen Mentalität und Arbeitsweise entwickelten sich die Budoarten zu sportlich handhabbaren Formen, die auch von Laien und Hobbysportlern, losgelöst von philosophischen Vorstellungen, in akzeptabler Weise praktiziert werden können. Die im modernen Karate-Do auf das Wesentliche reduzierten Grundelemente der Bewegung drücken nicht nur den Geist des Zen aus, sondern bilden eben dadurch eine methodisch-didaktische Grundlage, anhand derer jedem normalen Menschen eine in sich stimmige, gewurzelte Bewegungsweise vermittelt werden kann. Allerdings muss an dieser Stelle gesagt werden, dass das moderne Sportkarate diese Wurzeln auch schon lange verlassen hat. Die Entwicklungen haben dem Karate-Begründer Funakoshi nachträglich wohl doch Recht gegeben, der sich gegen eine wettkampfmäßige Ausübung des Karate wandte und dafür von seinen Schülern ziemlich geächtet wurde. Horstmann erkannte, dass die klaren Grundbewegungselemente des Karate als Basis für Shaolin-Trainingsprinzipien ein gigantisches Potenzial und eine ungeheure Brisanz bieten mussten. Seit Anfang der neunziger Jahre führte er deshalb in allen Gruppen der Vereinigung ein an der Grundschule des Karate-Do orientiertes Basistraining ein.

Kurz gesagt vereinigt Shaolin-Karate einige der wirksamsten und traditionsreichsten Kampfkünste in idealer Weise. Es gibt keine Kampfkunstausbildung, die so schnell und umfassend in eine Grundbewegungslehre einarbeitet wie das Basistraining des klassischen Karate-Do. Mithilfe dieser Grundübungen werden eine Körperstatik, Flexibilität, Kraft und Schnellkraft entwickelt, die unerlässlich für eine weitere qualitativ hochstehende Ausbildung sind. Außerdem sind Karatebewegungen für die meisten Menschen verständlich und leicht erlernbar. Die Shaolin-Trainingssysteme und Techniken bereichern das Karatesystem und runden es ab. Shaolintechniken sind runder, schneller und geschmeidiger als grundschulmäßiges Karate, welches allerdings unerlässlich für eine solide Basis ist. Spezielle Shaolin-Trainings- und Atemmethoden setzen überdies Maßstäbe für die körperliche Entwicklung. So bereichern und entfalten die Shaolintechniken das von manchen Menschen als etwas starr empfundene klassische Karate, während das Karate (welches sich ja aus dem Shaolin entwickelt hat) dem Shaolin die bestmögliche Basis liefert. (…)“